Landung in Düsseldorf
Wir landen kurz nach 23 Uhr in Düsseldorf. Bisher waren alle unsere Flüge pünktlich. Kaum zu glauben. Dabei fliegen wir nur mit den aller billigsten Airlines. Der einzige Nachteil sind dabei die Randzeiten zu denen die Flüge starten. Mitten in der Nacht oder früh am Morgen. Für unsere Planung war das bisher eher förderlich.
In Düsseldorf um diese Zeit gelandet zu sein, wäre auch kein Drama. Sicher kommt man noch gut in die Stadt, zum nächsten Hostel. Leider sind wir nicht ansatzweise in Düsseldorf. Sondern bei Weeze, an der niederländischen Grenze, 100km entfernt. Wir sind volle Kanne drauf reingefallen. Denn der Ort wird online natürlich als Düsseldorf angegeben. Zum Glück hat sich ein Hotel, 10 Gehminuten entfernt, diesen Umstand zum Geschäftsmodell gemacht. Wir checken entspannt über den Automaten am Eingang ein und liegen keine 30 Minuten nach der Landung in den Betten.
Am nächsten Morgen lassen wir es ruhig angehen. Zwar liegt vor uns eine sieben stündige Zugfahrt nach Travemünde, allerdings ist die Besichtigung auch erst auf 16 Uhr terminiert. Das kommt uns gelegen.
Los geht’s gegen 8 Uhr. Immer, wenn ich auf Busse im ländlichen Raum angewiesen bin, bekomme ich das Gefühl ausgeliefert zu sein. Auch jetzt ist er wieder nicht pünktlich. Gegenüber der Haltestelle liegt ein großes internationales Feuerwehr-Ausbildungs-Camp. Wir sehen Rettungsfahrzeuge aus den Niederlanden einfahren. Es riecht verbrannt. Am Vorabend gabs auf dem Gelände eine Löschübung. Die “abgefackelten” Häuser können wir am Rand des riesigen Geländes sehen. Feuer legen und dann selbst löschen. Klingt nach Spaß.
Der Bus kommt wenige Minuten später und bringt uns zum nächstgelegen Bahnhof. Unterwegs sehen wir einen Zug aus Feuerwehrfahrzeugen. Bestimmt 30 Stück. Alle mit Blaulicht. Spektakulär! Von hier aus ist alles recht entspannt. Wie man es von der Deutschen Bahn gewohnt ist. Nur ohne Verspätungen und den ganzen anderen Mist ^^.
Der Zielbahnhof ist “Travemünde Skandinavien-Kai”. Ich erinnere mich, hier vor einigen Jahren mit einer Seminargruppe gewesen zu sein. Nach dem gemeinsamen Besuch vom travemünder Strand wollten wir die Wartezeit zum nächsten Zug nach Lübeck nutzen und spazierten einen Halt weiter. Das hat auch geklappt, wir waren pünktlich. Leider hält der Zug da nur in der Saison und so mussten wir zugucken, wie die anderen Kollegen an uns vorbei fuhren. Schade Schokolade. Liebe Grüße an alle die dabei waren :).
Ein Koloss
Als wir gegen 15:30 an der Werft ankommen, stehen wir vor einem geschlossenen Tor. Der Stahlriese direkt daneben, der dieses um gute zwei Meter überragt, sieht verdächtig nach dem Schiff aus, welches wir uns angucken wollen. Viel Information haben wir bisher nicht dazu. Auch die Bilder online sind sehr spärlich. Der Makler hatte noch keine Zeit (Lust) ein ausführliches Profil zu erstellen. Bei dem niedrigen Preis und der Grundsubstanz kein Wunder. Veranschlagt sind 35.000€, Verhandlungsbasis. Wie wir später erfahren ist der Preis super flexibel nach unten.
Bis der Makler kommt, begutachten wir das Äußere. Das allein beeindruckt uns schon sehr. Der massive Stahlrumpf, die Davits, die so aussehen, als könnte man ein kleines Ersatzsegelboot mitnehmen. Der Bug- und Heckkorb aus massiven Edelstahlstreben. Kein Wunder, dass das Boot 20 Tonnen wiegt.


An Deck geht es in der Manier weiter. So gut wie alles ist überdimensioniert. Solche Festmacher für die Leinen sieht man in der Größe sonst nur an die Pier geschraubt. Das Cockpit ist eines der tiefsten, die wir bisher gesehen haben. Nicht besonders schön, dafür schön sicher. Der Niedergang besteht nicht aus Steckschoten, wie bei den meisten Yachten, sondern aus einer soliden Tür mit einem Rad zum öffnen und schließen.


Sie gibt den Weg frei zu einem Decksalon-ähnlichen Steuerstand und einer Küche. Die Küche ist echt schön. Dahinter ein großer Salon, eine Vorschiff-Kajüte und das Bad. Ich nutzte jede Luke, um meinen Rücken wieder in eine aufrechte Position zu biegen. In den kleinen Gängen zur Achterkabine kann nicht mal Chiara stehen. Besagt Kabine ist leider ohne Türen und etwas schmucklos.


Der Haken am Boot ist, dass der Eigner vor 2 Jahren verstorben ist. Die Witwe will das Boot nun schnell veräußern. Zum einen wird es dadurch sehr günstig, zum anderen kann uns aber auch niemand auf dem Schiff einweisen. Vieles mag solide gebaut sein, aber die vielen Kabel und Schläuche, die sich durch das Schiff schlängel zu verstehen könnte Monate dauern. Außerdem kann uns niemand sagen, was noch funktioniert und was gewartet werden sollte.
Motor starten? Das Boot liegt trocken. Rigg angucken? Liegt in der Halle eingepackt. Elektronik testen? Batterien sind leer. Es mag wie ein Schnäppchen und super solide wirken (wobei auch das nur eine Fachperson beurteilen kann), mit unserer begrenzten Erfahrung könnte das allerdings schnell nach hinten losgehen. Die nächsten zwei Jahre am Boot zu arbeiten ist schließlich nicht unser Ziel.
Mit sehr gemischten Gefühlen kommen wir aus dieser Besichtigung heraus. Wie genau wir das einordnen sollen…keine Ahnung. In diesem Moment überwiegt die rosarote Brille, die ein Schnäppchen sieht und ein Boot was so solide und sicher ist, dass wir jeden Sturm bezwingen könnten. Es wird bereits dunkel als wir von Bord klettern. Nächster und letzter Zwischenhalt: 6 Bett Zimmer in Hamburg. Morgen fährt uns der ICE nach Erfurt.
Genau zwei Wochen waren wir nun unterwegs. Unserer Plan ging tatsächlich auf. Neben den 4 Yachten, haben wir auch jede Menge schöne Orte gesehen. Aber das muss ich euch ja nicht erzählen. Ihr habt ja sicher ALLE Artikel dazu gelesen ;P
Was nun? Was tun?
Jetzt habt ihr natürlich Fragen. Haben wir uns schon entschieden? Welches Boot ist es geworden? Wann starten wir so richtig? Tatsächlich haben wir uns entschieden einen Luxuscamper zu kaufen. Ist einfacher.
Ja…hättet ihr nicht gedacht, was?! Zu recht. Ist auch nicht so :P. Natürlich bleiben wir bei dem Plan. Spoiler: Wir haben uns tatsächlich für ein Boot entschieden und sind auch schon eine ganze Stange Geld als Anzahlung losgeworden. Einfach war die Entscheidung nicht. Es hätte jedes der Boote sein können. Immer jeweils mit anderen Vorzügen und Kompromissen. Die kleine Trident (Belgien) mit ihrem großen Salon und ganzen drei Kabinen. Die Trintella (England) mit ihrer soliden Bauweise, dem riesigen Stauraum und natürlich der wunderschönen Achterkabine oder die Moody (Spanien) mit dem wunderschönen Raumgefühl und dem Gabelstapler E-Antrieb. Und zu guter letzt die Natascha (Travemünde) die uns an Fahrgebieten keine Grenzen setzt aber evtl. unterm Arsch wegrostet.
Wieder einmal sind wir heilfroh Marie von Marietim an unserer Seiten zu wissen. In 90 Minuten Brainstorming Session stellt sie unsere Sicht auf die Probe. Die Ratlosigkeit ist danach immer noch groß, der Samen der Erkenntnis wurde aber gepflanzt. Einmal drüber schlafen und Zack! Entscheidung getroffen. Ging dann doch alles überraschend schnell. Vom ersten Beratungstermin zum Kauf waren es keine zwei Monate. Ganz vielen lieben Dank an dich Marie. Deine direkte, zielstrebige und sympathische Art hat uns sehr geholfen. Eine Bootsberatung können wir nur empfehlen, wenn ihr auch mal so was Komisches machen wollt.
Aktuell stecken wir in den Vorbereitungen. Papierkram und Planung der ersten Etappen. Darüber hinaus muss unser übriggebliebenes Hab und Gut den Weg zum Schiff findet. Die Gera führt gerade zu wenig Wasser, um es abzuholen.
Dadurch dass das Boot segelfertig ist, stellt sich die Frage: Wohin Segeln wir sobald wir eingerichtet sind. Die Ostsee wäre ein wünschenswertes Startgewässer. Leider zu kalt im Winter. Also bleibt uns “leider” nur die Flucht Richtung Mittelmeer. Direkt Nägel mit Köpfen :D. Wir stellen uns der Atlantikküste und den Gezeiten. Theoretisch haben wir alle Fähigkeiten dafür. Ein bisschen gruselig ist die Vorstellung trotzdem, bald da draußen auf uns gestellt zu sein. Meine Vermutung: Das Gefühl ist ganz schnell weg, wenn man unterwegs ist. Ob sich das bestätigt…ihr werdet es erfahren :)
Was? Ah ja. Die Regie meldet gerade, dass ihr endlich wissen wollt, welches Boot es geworden ist. Dazu kann ich nur sagen: Nö 😜. Geduldet euch noch ein wenig. Ein guter Zeitpunkt übrigens, um sich hier für den Newsletter zu registrieren ;). Bis dahin. GaLiGrü, Chiara & Tim. (Das reimt sich ^^)
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